Ein zugeführter Nährstoff ist unnütz, wenn der Körper ihn nicht richtig verwerten kann. Zu dieser Erkenntnis gelangte man bereits vor Tausenden von Jahren.

Was versteht man unter Bioverfügbarkeit?

Der medizinisch-pharmakologische Fachausdruck Bioverfügbarkeit bezeichnet die Geschwindigkeit und Konzentration, mit der ein zugeführter Wirkstoff in die Blutbahn und zu seinem eigentlichen Wirkungsort gelangt. Für eine bestmögliche Gesundheitsförderung sollte seine Bioverfügbarkeit so hoch wie möglich sein. Bei Schmerztabletten mit jeweils 500 mg Wirkstoff bedeutet dies, dass möglichst diese Dosis unverändert am Entstehungsort der Schmerzen ankommen sollte. Eine Bioverfügbarkeit von 100 % gelingt jedoch nur selten. Mögliche Ursachen dafür sind:

  • ein Teil des Wirkstoffs wird zuvor im Magen abgebaut
  • die Darmwand kann ihn nur zum Teil aufnehmen
  • die Leber verstoffwechselt bereits einen Teil von ihm
  • die Tablette gibt den Wirkstoff nicht richtig frei

Ausserdem bestimmt die Art, wie die hilfreiche Substanz zugeführt wird, ihre Bioverfügbarkeit. Intravenöse Injektionen (Spritzen) sind für den Körper zu 100 Prozent nützlich. Eine höhere relative Bioverfügbarkeit gegenüber normalen Tabletten haben Filmtabletten: Ihr magensaftresistenter Überzug verhindert, dass sie sich vorzeitig im Magen auflösen und das Organ bereits Teile von ihnen verdaut. Wird der Wirkstoff jedoch erst im Darm freigesetzt, steht er dem Organismus in sehr hoher Dosis zur Verfügung, eine gesunde Darmflora vorausgesetzt.

Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte zur erhöhten Versorgung des menschlichen Stoffwechsels mit bestimmten Nähr- oder Wirkstoffen im Grenzbereich zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln. (Bild: © pixabay.com)

Auch Nahrungsergänzungsmittel erfüllen nur dann ihren Zweck, wenn der Körper sie bestmöglich resorbiert. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um Vitamine, Enzyme, Spurenelemente, Mineralstoffe oder Kräuter handelt. Finden sie ohne substanzielle Verluste schnell ihren Weg ins Blut und zum Organ, dessen Funktion sie bessern sollen, haben sie einen hohen gesundheitlichen Wert. Bei Nahrungsergänzungen sind noch weitere Faktoren für die Bioverfügbarkeit wichtig: Manche Nährstoffe nimmt man zum Zweck höherer Wirksamkeit mit bestimmten anderen Vitalstoffen zusammen ein (Kalzium und aktives Vitamin D). Einige Mittel wirken besser, wenn man sie auf nüchternen Magen einnimmt. Patienten mit chronischen Darmentzündungen können bestimmte Nährstoffe nicht verwerten und scheiden sie unverdaut wieder aus.

Die Erkenntnis, dass die Art der Ernährung für die menschliche Gesundheit sehr wichtig ist, gehört auch zum traditionellen Wissen der Tibetischen Medizin. Eine große Rolle spielen dabei Kräuter. Sie haben dank ihrer Wirkstoff-Kombination eine höhere Bioverfügbarkeit für den Körper als jeder ihrer pflanzlichen Inhaltsstoffe allein. In der tibetischen Ernährungslehre geht man davon aus, dass alle Substanzen einer Heilpflanze einander ergänzen und in ihrer Wirksamkeit steigern.

Wie werden Nährstoffe aufgespalten?

Die konsumierten Lebensmittel oder Nahrungsergänzungen werden im Mund mit Speichel verdünnt und in den Magen geleitet. Dort findet die Vorverdauung der Eiweisse mithilfe des Enzyms Pepsin statt. Der teilweise aufgespaltene Nahrungsbrei gelangt dann in den Dünndarm, wo er in Kohlenhydrate, Eiweisse und Fette zerlegt wird. Sind diese nur noch in kleinsten Molekülen vorhanden, gelangen sie durch die Darmwand ins Blut und in die Lymphe. Damit die Verdauung optimal funktioniert, ist eine gesunde Darmflora erforderlich. Sie besteht aus Billionen mikroskopisch kleiner Bakterien, die in der Darmschleimhaut leben und auf die Verarbeitung von Nährstoffen und Mikro-Nährstoffen (Vitaminen, Mineralien) spezialisiert sind.

Die im Dickdarm befindliche Darmflora ist für die Fermentation (Gärung) der Nahrungsbestandteile zuständig, die im Dünndarm noch nicht vollständig umgewandelt wurden. Die dort lebenden speziellen Bakterien verdauen die Zellwände von Getreide und Gemüse (Ballaststoffe). Für eine bestmögliche Bioverfügbarkeit der Nährstoffe aus der Nahrung ist es wichtig, dass sauerstoffliebende und ohne Sauerstoff lebende Bakterien in einem ausgeglichenen Verhältnis im Darm vorhanden sind. Ausserdem müssen die nützlichen Mikroorganismen im Darm zahlenmäßig überwiegen.

Um Ihre Darmfunktion zu verbessern oder nach einer Antibiotika-Behandlung wiederherzustellen, sollten Sie unbedingt fermentierte Lebensmittel zu sich nehmen. Die Gärung macht nicht nur das leicht verderbliche Obst und Gemüse länger haltbar, sondern erhält auch noch den größten Teil der in ihm vorhandenen Vitamine, Enzyme, sekundären Pflanzenstoffe und Mineralien. Als natürliches Konservierungsmittel dienen dabei oft Milchsäurebakterien. Für eine bestmögliche Bioverfügbarkeit essen Sie Ihr fermentiertes Lebensmittel idealerweise 30 Minuten vor jeder Mahlzeit.

Fermentierte Gurken im Glas (Bild: © pixabay.com)

Fermentierte Gurken im Glas (Bild: © pixabay.com)

Sind fermentierte Lebensmittel gesundheitsfördernd?

Fermentierte Nahrungsmittel sind verdauungsfördernd und stärken die menschlichen Abwehrkräfte. Patienten mit Laktose-Intoleranz können sich mit dem Konsum von Joghurt Unverträglichkeitsreaktionen ersparen und dennoch Proteine zu sich nehmen: Essen sie Joghurt, wird der unverträgliche Milchzucker von den Lactobazillen des Joghurts in leicht verdauliche Milchsäure umgewandelt. Die Fermentation erhöht also die Bioverfügbarkeit des Proteins deutlich. Ausserdem sorgen frisch fermentierte Lebensmittel für ein ausgewogenes Bakterien-Milieu im Darm.

Um Gemüse zu fermentieren, vermischen Sie das gewaschene und zerkleinerte Gemüse mit speziellen Kräutern und zerstampfen es. Danach füllen Sie es in einen Behälter, den Sie fest zumachen und kurzzeitig bei Zimmertemperatur lagern. Anschliessend bewahren Sie ihn einige Monate an einem kühlen, dunklen Ort auf.

Artikel von: viterba.ch
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